Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Rezension von Catherine Danieli
Romane & Erzählungen, Roman

Wir begleiten Harold Fry auf einer ungewöhnlichen Pilgerreise. Eigentlich wollte er nur einen Brief an seine ehemalige Kollegin Queenie Hennessy einwerfen, die im Sterben liegt. Doch dann geht Harold weiter und weiter, 1000 Kilometer quer durch England bis zu Queenies Hospiz.

Rezension zum Buch

Inhalt

Harold und seine Frau Maureen scheinen ein geordnetes Leben zu führen, er ist im Ruhestand, viel zu sagen haben sie sich offenbar nicht mehr, der einzige Sohn ist abwesend. Doch dann bricht ein Brief von Harolds ehemaliger Kollegin Queenie Hennessy in den Alltag der beiden ein, sie schreibt, dass sie in einem Hospiz im Sterben liegt. Mühsam formuliert Harold eine kurze Antwort und macht sich auf den Weg, den Brief einzuwerfen. Doch dann geht er an dem ersten Briefkasten vorbei, am zweiten auch, bis er an einer Tankstelle Pause macht. Das junge Mädchen hinter der Theke sagt zu ihm:

"Man muss daran glauben, dass ein Mensch wieder gesund werden kann. Unser Geist ist viel größer, als wir begreifen. Wenn wir fest an etwas glauben, können wir alles schaffen."

Diese Sätze geben für Harold den Ausschlag, er beschließt, weiterzugehen, 1000 Kilometer quer durch England bis zu Queenies Hospiz. Um sie zu retten. Auch wenn seine Frau am Telefon berechtigterweise anführt, das er bisher nie weitergegangen ist als bis zu seinem Auto und das er mit Hemd, Krawatte und Segelschuhen nicht gerade bestens ausgerüstet ist, geht er weiter und weiter. Das Laufen ist beschwerlich, doch Harold gibt nicht auf während seine Wanderung immer mehr zu einer Reise zu sich selbst wird.

Zum Buch

Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine Geschichte über einen Rentner, der spontan wochenlang durch England läuft, sei irgendetwas zwischen unlogisch und uninteressant. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Mit jedem Schritt, den Harold vorankommt, macht er auch einen Schritt in seine Vergangenheit, in der nichts so ist, wie es zu Beginn scheint: seine Ehe, der einzige Sohn David und auch die Freundschaft zu seiner ehemaligen Kollegin Queenie. So werden nach und nach die Motive für Harolds Reise klar, wobei auch die Wanderung selbst nicht zu kurz kommt. Die Begegnungen mit den Menschen, die Harold auf seiner Reise trifft, helfen ihm dabei, sich selbst zu verstehen und sind ebenso interessant zu lesen wie die Beschreibungen von England, das Harold durchwandert. Auch seine Frau Maureen, die Harolds Reise mit gemischten Gefühlen verfolgt, findet in der Zwischenzeit einen Weg, ihr Leben ganz neu zu überdenken, sodass nach 87 Tagen auch die Eheleute wieder zueinander finden.

Fazit

Ein berührende, einfühlsame Geschichte über eine Pilgerfahrt und über das Leben, sehr schön zu lesen.