Karen Duve: Anständig essen

Rezension von Catherine Danieli
Ernährung & Diät, Bio, Ernährung, Lifestyle, Vegan

Bei "Anständig essen" geht es nicht um das Erreichen des Wunschgewichtes, sondern vielmehr um die Frage, ob man sich überhaupt noch ethisch korrekt ernähren kann. Um das herauszufinden, startet die Autorin einen spannenden Selbstversuch.

Rezension zum Buch

Inhalt

Alles beginnt recht harmlos im Supermarkt, als die Autorin eine Hähnchen-Grillpfanne für 2,99 € in ihren Einkaufswagen legen will. Just in diesem Moment taucht ihre Mitbewohnerin auf, reißt ihr das Fertiggericht aus der Hand und protestiert energisch gegen den Erwerb dieses "Qualfleisches". Kein Wunder also, dass die Autorin ihre Freundin nur Jiminy Grille nennt, nach Pinocchios personifiziertem Gewissen.

Dennoch bringt sie diese Episode dazu, über ihre Ess- und Einkaufsgewohnheiten nachzudenken. Wie könnte denn eine "anständige" Ernährung aussehen und was will sie wirklich? Kurzerhand beschließt Karen Duve, verschiedene Ernährungsformen jeweils zwei Monate lang auszuprobieren.

In diesem Buch erzählt sie nun von ihren Erfahrungen als Biokäuferin, Vegetarierin, Veganerin und schließlich sogar als Frutarierin. Dabei schildert sie neben ihren Erlebnissen beim Einkaufen und Essen auch ihre Erkenntnisse über die jeweilige Weltanschauung und ganz nebenbei erfährt man auch einiges über die Massentierhaltung und deren Folgen.

Am Ende steht die Autorin dann vor der Entscheidung, wie sie ihren Selbstversuch bewerten soll und was das für ihre zukünftigen Einkaufsgewohnheiten bedeutet.

Zum Buch

"Die dringendste Frage zu Beginn meiner Bio-Phase: ob ich weiterhin Cola-Light trinken kann. Davon gehe ich nämlich aus. Cola-Light besteht doch sowieso ausschließlich aus Chemie. Da dürfte sich die Bio-Frage eigentlich gar nicht erst stellen."

Dieses Zitat zeigt schon, dass Karen Duve ein ernstes Thema durchaus humorvoll angeht. Sie nimmt den Leser mit auf die Suche nach einer moralisch vertretbaren Ernährungsweise. Auch wenn ich mich manchmal gefragt habe, ob einige Aktionen tatsächlich Sinn machen, zum Beispiel in der veganen Phase einen Ledersattel für ihr Pferd gegen ein Kunststoffteil auszutauschen, zeigt dieses Beispiel doch, dass die Autorin tatsächlich bereit ist, sich auf alle möglichen Aspekte der getesteten Ernährungsform einzulassen.

Sehr gut gefallen hat mir auch das Ende, hier behauptet die Autorin keineswegs, einen allgemeingültigen Weg gefunden zu haben, sie zeigt lediglich auf, was sie für sich als machbar empfindet.

Fazit

Ein interessanter Selbstversuch, der ohne erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken anregt.