H. D. Walden: Ein Stadtmensch im Wald

Rezension von Catherine Danieli
Romane & Erzählungen, Gegenwartsliteratur

Eine verlassene "Datsche" mitten im Ruppiner Waldgebiet. Dies scheint für den Autor ein sicherer Ort zu sein, um das Ende der Pandemie abzuwarten. Wobei er jedoch nicht damit gerechnet hat, alsbald die Bekanntschaft der im Wald lebenden Tiere zu machen.

Rezension zum Buch

Inhalt

Das Buch beginnt gleich mitten im Geschehen: Eher lustlos erfüllt der Autor den Auftrag seiner Freundin, bei seinem Aufenthalt im Wald die Vögel zu füttern. Doch schon bald begeistert er sich für die Beobachtung der kleinen Tiere, die sich immer zutraulicher auch in seiner Gegenwart an die Futterstelle wagen. Er lernt, ihre Art zu bestimmen, doch vor allem wachsen ihm die Vögel aufgrund ihrer unterschiedlichen Verhaltensweisen immer mehr ans Herz, und so gibt er jedem seiner Besucher sogar einen Namen.

Auf wenig Begeisterung beim Autor stößt dagegen zunächst der Waschbär, der sich Nacht für Nacht die Meisenknödel stibitzt. Aber ganz allmählich werden dessen Besuche – wie auch jene einer furchterregenden Maus – zum Highlight des Tages, oder genauer, der Nacht des Schriftstellers. Immer besser lernt er seine Umwelt kennen und verstehen. Einzig seine Freundin scheint bei ihrem kurzen Aufenthalt der Meinung zu sein, dass der Autor vielleicht ein wenig wunderlich wird.

Eine Einschätzung, die so mancher Leser während der letzten Kapitel vielleicht teilen wird …

Zum Buch

Wie es zu erwarten war, kann der Autor als Stadtmensch zunächst mit all der Natur um ihn herum nicht viel anfangen, so dass es zu allerlei witzigen Situationen kommt. Aber nach und nach wachsen nicht nur ihm, sondern auch den Leser*innen die Bewohner des Waldes ans Herz, über die man ganz nebenbei noch allerlei Neues erfahren kann.

Das Thema Pandemie, die ja der eigentliche Auslöser für den Aufenthalt des Schriftstellers im Wald ist, wird dabei nur am Rande gestreift, was zwar wunderbar zu dem Einsiedlerleben im Wald passt, in dem ein Virus keine große Bedeutung hat – was aber möglicherweise den Lesespaß bei jenen ein wenig trüben könnte, die sich auch gerne in eine Hütte zurückgezogen hätten, aber keine Möglichkeit dazu hatten.

Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch die wunderschönen Illustrationen von Elisa Rodriguez, die dem Buch ein einzigartiges Ambiente verleihen.

Fazit

Ein kurzweiliges Buch, teilweise lustig, teilweise tiefsinnig aber auf jeden Fall empfehlenswert.